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25. September 2018

Tony Rinaudo wurde als Preisträger des "Alternativen Nobelpreises" ausgezeichnet. Lest kostenlos diesen Beitrag über seine Arbeit in Afrika aus unserem Ausstellungsmagazin "acht°ost".

Am 24. September 2018 wurde Tony Rinaudo als Preisträger des Right Livelihood Award bekannt gegeben. Der Preis zeichnet Personen, Organisationen und Repräsentanten sozialer Bewegungen aus, die sich mit praktischen Lösungen und Modellen für menschenwürdige Lebensweisen einsetzen.

Wir berichteten bereits 2017 in unserem Ausstellungsmagazin "acht°ost" über seine Arbeit in Afrika. Er engagiert sich in der Wiederbelebung karger Wüstengegenden und hilft den dortigen Bauern selbst grüne Flächen zu beleben.

Hier der Bericht aus unserem Ausstellungsmagazin "acht°ost" von 2017:

Der Durst der Erde

Tony Rinaudo ist eine Art Klimaheld. Er macht karge Wüstengegenden wieder grün. Sein Geheimnis heißt: Farmer Managed Natural Regeneration. Es ist eine Art Reanimierung dessen, was schon ewig unter der trockenen Erde schlummert. Ein weitverzweigtes Wurzelgeflecht, das bis zu 60 Meter in die Tiefe ragt. Und noch viel Leben in sich trägt.

Gerade war er mal wieder zu Hause. In Australien. Ansonsten ist der 59-jährige Tony Rinaudo ununterbrochen unterwegs. Er hält Vorträge, leitet Workshops und besucht Bauern vor Ort, um ihnen dabei zu helfen, ihr Land wieder fruchtbar zu machen. Im Sommer war er in Tansania, in Kenia und im Senegal. Rinaudo ist der Waldmacher. Kein Aufforster, eher ein Wiederbegrüner. 


Bereits 1980 hat Tony Rinaudo die ersten Versuche unternommen, Wüsten wieder grün zu machen. Der gläubige Australier wurde auf Mission nach Niger geschickt. Jahrelang pflanzte er dort Millionen von Bäumen. Er hat mit lokalen Entscheidungsträgern zusammengearbeitet, Erde bewegt. Und sehr viel Luft. Gebracht hat es nichts. Die Bäume verdorrten. »Als ich damals durch die Wüste fuhr, war ich kurz davor, zu verzweifeln«, sagt Rinaudo. Doch dann schaute er genauer hin. Beim Anblick des kargen Wüstenbodens fielen ihm kleine grünen Büschel auf, die aus dem Boden ragten. Es war kein einfaches Kraut. Es waren die Triebe abgeholzter Bäume. Rinaudo entdeckte beim Graben ein riesiges Wurzelgeflecht im sandigen Wüstenboden. Der Wald war noch da. Und er würde wiederkommen, wenn man ihn nur ließe. Rinaudo trennte ein Areal ab, um die zarten Sprossen vor Tierfraß und Menschenhand zu schützen. Er wartete. Er beschnitt erste Triebe und gab den Pflänzchen neue Kraft und Form. Nach etwa einem Jahr hatten sich kleine Büsche und Bäume entwickelt. Die Idee des Agrarökonomen funktionierte – auf natürliche Weise und ohne große Kosten zu verursachen. In Niger sind auf diese Art und Weise mittlerweile fünf Millionen Hektar Wald neu gewachsen. Man kann die grünen Flächen vom Satelliten aus sehen. Und vor Ort spüren. Denn das Mikroklima hat sich in diesen Gegenden verändert. Was in dem Halbwüstenstaat Niger Erfolg hatte, funktioniert heute auch in anderen Ländern Afrikas: Die »Farmers Managed Natural Regeneration«, kurz FMNR, wird im Tschad, in Burkina Faso oder in Mali angewandt.

»Woher sollten sie ihr Feuerholz nehmen, wenn sie keine Bäume fällen durften?«

Mit der Hilfsorganisation World Vision ging Rinaudo 2006 nach Äthiopien. Ein Land, mehr als 20 Jahre lang gebeutelt von immer wiederkehrenden Dürren und Hungersnöten. Die Berge des Örtchens Humbo im Süden des Landes sahen aus wie nach einer Naturkatastrophe: Kraut und Kriechpflanzen bedeckten eine von Erosion gezeichnete Landschaft, von Menschenhand verursacht durch Abholzung, Brandrodung und Überweidung. Die FMNR-Methode wandte Rinaudo nun auf dem kargen Boden Äthiopiens an. Vorher musste er viel Überzeugungsarbeit bei den Bauern leisten. Woher sollten sie ihr Feuerholz nehmen, wenn sie keine Bäume fällen durften? Wie ihr Vieh füttern, wenn sie den Wald schützen und nicht nutzen sollten? Rinaudo zahlte den Farmern eine Entschädigung, und ein Dutzend ließen sich auf das Projekt ein. Anfangs wurden diese Bauern von ihren Nachbarn ausgelacht, sagt Rinaudo. »Ihr werdet nie etwas ernten «, sagten sie voraus – und wurden eines Besseren belehrt.

Es sprudeln wieder Quellen dort, wo einst nur zerfurchter Boden war.

Die Verwandlung der Region Humbo hat World-Vision-Sprecherin Silvia Holten mit eigenen Augen gesehen. Kräftiges Gras bedeckt heute den Boden, Bäume spenden Schatten. Es sprudeln wieder Quellen dort, wo einst nur zerfurchter Boden war. Der Bach führt heute wieder ganzjährig Wasser. Die Gegend erinnere sie in mancher Hinsicht an den Schwarzwald, sagt Holten. Mehr als 1 000 indigene Baumarten wachsen in Afrika. Ein einzigartiger Schatz an Biodiversität. Die Bäume, so man sie wachsen lässt, verändern nachhaltig den Lebensraum: Die sengende afrikanische Hitze richtet weniger Schaden an. Im Schatten der Bäume herrschen um die 35 Grad Celsius, wo im prallen Sonnenschein das Thermometer auf mehr als 70 Grad Celsius klettern würde. Die Bäume speichern Feuchtigkeit im Boden, sie verhindern Erosion und Erdrutsche, der Wald bietet Früchte und Beeren, die auf dem Markt verkauft werden; die abgeschnittenen Äste liefern genügend Brennholz und Stroh für alle. Das Blätterwerk der Bäume schützt die Pflanzen auf den Feldern, Mais und Mangos, Fruchtbäume oder Kaffeebüsche. Der Wald bedeutet ein besseres Leben für Mensch und Tier.

Wenn Tony Rinaudo heute mit den Bauern in Humbo spricht, erzählen sie ihm viel Gutes. Dass die Kinder wieder in die Schule gehen können, weil sie nicht mehr so weite Wege zurücklegen müssen, um Wasser zu holen und Holz zu sammeln. Oder dass jemand eine Ziege und ein Rind gekauft hat. Dass bei Regen keine Felsbrocken mehr abrutschen und die Ernte zerstören. »Es erfüllt mich mit großer Befriedigung, wenn ich höre, dass die Bauern verstanden haben, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einem gesunden Leben und einem gesunden Boden«, sagt Rinaudo. »Der Erfolg der FMNR-Methode hat sich herumgesprochen wie ein Lauffeuer«, erzählt Silvia Holten. »Wir brauchen eine grüne Bewegung« sagt sie. Wälder sind in Hinsicht auf die CO₂-Bilanz und die Begrenzung der Erderwärmung ein entscheidender Faktor. Sie könnten das Zünglein an der Waage sein. Gerade der Kontinent Afrika hat in den vergangenen Jahrzehnten enorm viel Waldfläche verloren – in Äthiopien sind es bis zu 98 Prozent. »Würde es gelingen, eine Fläche so groß wie Indien wieder aufzuforsten, hätte das positiven Einfluss auf das Klima«, sagt Holten. Sie selbst hat gesehen, dass es funktionieren könnte. »Wir müssen den Wäldern wieder einen Wert geben.«

Niemand auf der Welt müsste hungern, sagt Tony Rinaudo. »Durch FMNR könnten riesige Teile der Erde wieder begrünt werden. Die Menschen müssen nur die Augen öffnen. Überall wachsen Bäume unter der Erde.« Mittlerweile fördert die Hilfsorganisation World Vision in mehr als 20 Ländern die Methode der natürlichen Erholung, darunter auch im trockenen Somaliland. Dort hat es drei Jahre hintereinander nicht geregnet. »Das Fantastische ist, dass die Methode selbst in verwüsteten Regionen anwendbar ist«, sagt Silvia Holten, die im März 2016 Somaliland besucht hat, um sich selbst ein Bild zu machen. Vor zwei Jahren ist dort das FMNR-Projekt gestartet worden – heute sind viele Bäume schon an die zwei Meter hoch.

In Niger, wo Tony Rinaudo seine Idee zuerst umsetzte, tragen heute viele Kinder seinen Namen. Die Bauern, die die FMNR-Methode auf ihren Feldern anwandten, können zwei- bis dreifach so hohe Ernteerträge einfahren wie zuvor. Für sie ist der Waldmacher Tony Rinaudo der »Chef aller Bauern«.

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