Die Ausdehnung des arktischen Meereises hat kürzlich ihr jährliches Maximum erreicht. Auch wenn dies aktuell größer ist als in einigen der vergangen Jahre und damit wieder eine Annäherung an den langjährigen Mittelwert stattgefunden hat, kann keine Entwarnung gegeben werden. Denn das Eisvolumen hat sich im Vergleich zum vorigen Jahr nicht vergrößert. Es liegt damit wieder deutlich unter dem langjährigen Mittel. Der beschleunigte Abwärtstrend der vergangenen Jahre setzt sich also fort. Das arktische Meereis wird immer dünner. Ein neues Exponat im Klimahaus Bremerhaven 8° Ost erklärt ab sofort die Zusammenhänge zum Schwund des Meereises und zu weiteren so genannten Kippelementen im Klimasystem.
Ein großer Teil des Meereises auf dem Arktischen Ozean schmilzt jedes Jahr im Sommer und gefriert dann im Winter wieder. Die Eisausdehnung lässt sich durch Satellitenbeobachtungen für jeden Tag vollständig erfassen. Seit etwa Ende der 70er Jahre zeigen diese Beobachtungen insgesamt einen Rückgang der Eisausdehnung, die sich in den vergangenen Jahren beschleunigt hat. Noch deutlicher zeigt sich der Rückgang in den Berechnungen des Eisvolumens.
Dünnes Eis schmilzt schneller – ein sich selbst verstärkenden Prozess beginnt: Der dunkle Ozean nimmt im Sommer mehr Sonnenstrahlung auf, während das helle Eis die Strahlung reflektiert. So wird dort, wo sowieso schon wenig Eis ist, weiteres Eis schneller geschmolzen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist in der Arktis nicht mehr Eis vorhanden als im vorigen Jahr. Es ist also zu befürchten, dass sich der negative Trend in diesem Sommer weiter fortsetzt. Neben der kühlenden Wirkung innerhalb des Klimasystems ist das arktische Meereis Lebensraum für viele Tiere. Der Eisbär ist zum Beispiel darauf angewiesen, im Winter vom Packeis aus Robben jagen zu können. Mit dem Meereis schwindet auch der Zeitraum, in dem die Könige der Arktis diese Form der Jagd betrieben können.
Selbstverstärkende Prozesse können an mehreren Stellen des Klimasystems dazu führen, dass so genannte Kippelemente entstehen. Das sind Vorgänge, die relativ plötzlich in einen anderen Zustand übergehen können, wenn gewisse Grenzwerte, zum Beispiel in Bezug auf die Temperatur überschritten werden. Selbst wenn der Auslöser verschwunden ist, stellt sich nicht automatisch der Ursprungszustand wieder ein.
Im Ausstellungsbereich „Perspektiven“ des Klimahaus erklärt jetzt ein neues Exponat die wichtigsten dieser Kippelemente. Auf einer Weltkarte mit drehbaren Würfeln finden sich z.B. Informationen zum arktischen Meereis und weiteren acht Kippelementen. Das neue Ausstellungsstück erläutert anschaulich und verständlich den Ausgangszustand, die Folgen sowie warum und wie es zum „Umkippen“ kommen konnte.
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